- 754 Jahre Hatzbach

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Quelle: OP vom 14.01.2015

Gedichte - Erika Lerch 007

Die verlassene Milchbank

Milchbankromantik, die gibt es nicht mehr,
denn die Milchbänke sind leer.
Es gibt nicht mehr den gemütlichen Plausch,
Mund-zu-Mund-Propaganda von Haus zu Haus.
Früher hieß es: ach Mariechen, was kochst du denn heut?

Gretchen hat sich über eine Karte aus Mallorca gefreut,
Inge bringt die neuesten Rezepte mit,
Spiegeleiertorte ist der größte Hit.
Übers erste Zähnchen vom Enkelkind hat sich Lisbeth gefreut,
und die Johanna hat einen Freund.
Ober alles wurde ein bißchen getratscht,
es gab noch keinen Ortsdiener Karl.

An jeder Straßenecke früher eine Milchbank stand,
und eine hatte sogar ein Dach.
Da haben wir als Kinder gespielt,
Kinderspielplatz gab es noch nicht.
Abends war es eine Seniorenbank,
wo man auch manchmal einen Schoppen trank.
Weltpolitik wurde diskutiert,
so manche Ehe vorprogrammiert.

Was wollen wir auf dem Sängerfest singen?
Wird das Abendrot uns Regen bringen?
Jede Milchbank hatte ihre Geschichte,
noch mancher kann davon berichten.

Die Milchbankzeiten sind vorbei,
an den meisten fährt das Milchauto vorbei,
man ruft nicht mehr freundlich „Guten Morgen"
und teilt nicht mehr mit den anderen die Sorgen.

Doch ich bin ein bißchen altmodisch und dumm
und treibe noch gerne meine Kühe herum,
fahr' unsre Milch zur kleinen Sammelstelle,
halt' ein Schwätzchen mit Annemarie ganz auf die Schnelle.

Stiller wird es Im Dorf mit der Zeit,
und bald ist alles Vergangenheit.
Es gab immer gute und schlechte Zeiten,
doch die Rindviecher werden bleiben.

Erika Lerch

Lebendiger Adventskalender 07

2014-12-07: Kirchenvorstand - Lichter-Irrgarten am Bürgerhaus